Ein Veränderungsprozess

Mit der Alexandertechnik verändern wir, wie wir uns selbst gebrauchen. Es handelt sich um einen Veränderungsprozess. Wenn wir uns überlegen, wie dieser Prozess aussehen könnte, kommen wir vielleicht zu folgendem Ergebnis:

  1. Wir müssen wissen – wahrnehmen – wie wir uns aktuell selbst gebrauchen.
  2. Wir müssen unseren Selbstgebrauch unter unseren Einfluss kriegen.
  3. Wir müssen ein Zielbild haben.

Interessanterweise sind all diese Punkte problematisch.

  • Unsere Selbstwahrnehmung nimmt primär Veränderungen war. Die Wahrnehmung unseres aktuellen Selbstgebrauchs ist relativ. Wir spüren nicht, was senkrecht ist. Turmspringer wissen das, sie müssen tausende Male und dauerhaft trainieren, sich senkrecht fallend im Raum auszurichten und so ihr System zu „eichen“. Sie verlassen sich nicht auf ihr Gefühl.
  • Unsere Selbstwahrnehmung ist geprägt von unseren Gewohnheiten. Oft fühlt sich dadurch gerade an, was schräg oder gebeugt ist, klein was eigentlich groß ist etc. Ist Ihr Arm im Ellenbogengelenk gerade? Haben Sie das gespürt oder in den Spiegel gesehen?
  • Wirklich dauerhafte und umfassende Veränderung ist schwierig, unsere Gewohnheiten des Gebrauches sind hartnäckig und rasend schnell am Zuge. Hier Einfluss zu nehmen, ist nicht nur Sache einer einmaligen Entscheidung. Aber wir können uns immer wieder frei gegen Gewohnheiten entscheiden – oder für sie. Mit etwas Durchhaltevermögen und Geduld eröffnet sich ein weites - und wie ich denke äußerst spannendes - Feld von Möglichkeiten zur Veränderung.
  • Das Zielbild ist besonders tricky. Es gibt eine gute und eine schlechte Nachricht. Die schlechte zuerst: Es gibt kein Zielbild, keinen SOLL-Ausbau, auf den wir uns ausrichten. Kein Bild, wie ein Mensch gehen muss, stehen muss, liegen muss oder ganz allgemein zu sein hat. Es gibt keine richtige Koordination - oder andersrum: Es gibt zig richtige Arten, sich zu koordinieren. Das liegt an der Individualität jedes einzelnen von uns, an den Alternativen, die sich ergeben. Die gute Nachricht ist: Wir brauchen ein solches Zielbild auch gar nicht. Die gute Koordination tragen wir schon in uns. In der Alexandertechnik arbeiten wir daher daran, uns weniger zu stören und das richtige dann von selbst passieren zu lassen.